Fototipps für Makler: aussagekräftige Bilder fürs Exposé

Lesermeinungen:  

(1)

Mit einem guten Exposé lassen sich Immobilien effizienter und schneller vermarkten. Und das wiederum gelingt mit aussagekräftigen Bildern. Denn die rücken Haus oder Wohnung besser ins Licht und können beim Interessenten bereits ein erstes Wohngefühl schaffen. Architekturfotograf Tom Schrade gibt Fototipps für Makler.

Fototipps, Architekturfotograf Tom Schrade
Architekturfotograf Tom Schrade. Foto: privat

Helle, großzügige 3-Zimmer-Wohnung mit Dachterrasse und Galerie – so attraktiv manche Immobilie auch ist, auf Fotos kommt sie nicht immer genauso gut zur Geltung. Etwa weil die Bilder zu dunkel oder verwackelt sind oder die Perspektive völlig verzerrt ist. Egal, ob mit Smartphone oder Profikamera – mit diesen Tipps vom Nürnberger Architekturfotograf Tom Schrade rücken Sie Ihre Immobilie ins rechte Licht.

Fototipp 1: Zeit nehmen

„Ich mach‘ mal schnell ein Foto“ – dieser Satz ist ganz typisch. Nicht jeder Vermieter oder Makler hat viel Zeit, gerade wenn die Mieter noch in der Wohnung sind. Da will man natürlich nicht lange stören. Doch oft sieht man erst hinterher, dass etwas nicht passt: Das Bild ist verschwommen, zu dunkel, zu hell oder es sind Gegenstände zu sehen, die sich unvorteilhaft auf den Raum auswirken. Ich plane daher immer etwas Zeit ein, um den Raum auf mich wirken zu lassen. Nur so kann ich die jeweilige Atmosphäre einfangen. Ich bezeichne das als Raumgefühl.

Fototipp 2: Ein Raumgefühl schaffen

Fototipp, Immobilienfoto, Foto: Tom Schrade
Lounge-Ecke mit Wohlfühlcharakter: Fotos einer Immobilienanzeige sollten stets eine angenehme Atmosphäre versprühen. Foto: Tom Schrade

Auf Bildern versuche ich immer, ein Raumgefühl zu erzeugen. Das heißt: Beim Betrachten der Fotos fühle ich mich wohl und kann mir vorstellen, in der abgebildeten Wohnung zu leben. Das gelingt besser mit einer möblierten Wohnung, denn mit Möbeln und anderen Gegenständen lassen sich Emotionen besser vermitteln. Ist die Immobilie bereits leergeräumt, kann ich mit der richtigen Technik trotzdem ein positives Raumgefühl schaffen. Zum Beispiel kann ich eine Wohlfühlatmosphäre schaffen, indem ich auf geeignete Lichtverhältnisse achte (mehr dazu unter dem Punkt „Immobilie ins recht Licht rücken“).

Fototipp 3: Passendes Motiv und Bildausschnitt wählen

Fototipp, Immobilienfoto, Foto: Severine Sand/Immowelt AG
Angeschnittene Möbel oder andere Gegenstände wirken deplatziert und der Raum erscheint unaufgeräumt. Foto: Severine Sand/Immowelt AG
Fototipp, Immobilienfoto, Foto: Severine Sand/Immowelt AG
Stattdessen sollte man sich auf einen Bereich im Raum konzentrieren und diesen in Szene setzen. Foto: Severine Sand/Immowelt AG

Eine möblierte Wohnung sollte sie unbedingt aufgeräumt sein, denn Ordnung bringt Ruhe ins Bild. Fürs Foto kann ich Möbel schöner arrangieren und ein paar Dekorationsstücke auf den Tisch oder Wandschrank oder ins Regal stellen. Bei einem Wohnzimmer mit altmodischem Eichenschrank, der die komplette Wand füllt, mit Häkeldeckchen und dunkler Samtcouchgarnitur kann man leider nicht viel ausrichten. In so einem Fall – Geschmäcker sind einfach unterschiedlich – würde ich den Raum einfach nicht zeigen. Hier gilt: Weniger ist mehr.

Habe ich mich für ein Motiv oder einen Bereich im Raum entschieden, mache ich ein paar Probefotos. Die schaue ich sofort durch, denn dabei fallen mir oft Kleinigkeiten auf, die stören: sei es der Wäscheständer auf dem Balkon im Hintergrund oder die offene Milchtüte und die Flasche Spülmittel auf der Küchenzeile. Das kann man schnell wegräumen – mit großem Effekt: Das Zimmer wirkt sogleich viel ordentlicher und ruhiger.

Wichtig ist auch, einen passenden Bildausschnitt zu wählen. Oft schneidet man Möbel oder andere Dinge an, die gar nicht zum restlichen Bild passen. Möchte ich zum Beispiel die Sofaecke mit Couchtisch fotografieren und schneide den Essetisch daneben an, schaut das nicht harmonisch aus. Eine Lösung wäre, den Esstisch für das Foto zur Seite zu rücken. Oder ich schneide das Bild nachträglich entsprechend zu. 

Fototipp 4: Auf die Perspektive kommt es an

Fototipp, Immobilienfoto, Foto: Severine Sand/Immowelt AG
Kippt man das Smartphone, verzerren sich die Randlinien. Das Foto wirkt dadurch schief. Foto: Severine Sand/Immowelt AG
Fototipp, Immobilienfoto, Foto: Severine Sand/Immowelt AG
Hält man die Kamera gerade, erscheint auch das Motiv gerade. Foto: Severine Sand/Immowelt AG

Bei Innenaufnahmen möchte man möglichst viel Raum, wenn nicht sogar das ganze Zimmer aufs Bild bekommen. Bei einer Profikamera empfehle ich dafür ganz klar ein Weitwinkel-Objektiv. Mit dem Smartphone sollte man unbedingt einen der häufigsten Fehler vermeiden: die Kamera kippen. Viele machen das automatisch, um mehr Raum einzufangen. Doch dadurch laufen Wandlinien schief aufeinander zu und die Perspektive verzerrt sich. Mehr vom Zimmer bekommen sie so auch nicht aufs Bild. Manche stellen sich auch auf eine Leiter, damit erreichen sie denselben Verzerrungseffekt.

Mein Tipp: aus etwa einem Meter Höhe fotografieren. Ich gehe dazu etwas in die Knie oder halte das Smartphone tiefer. Die Kamera sollte dabei möglichst gerade sein. Außerdem fotografier ich einen Raum möglichst aus allen vier Ecken, denn aus der Ecke heraus kann ich den meisten Platz ablichten – später kann ich aus allen Bildern das Beste wählen. Zwischen den Türrahmen oder in den Flur würde ich mich nicht stellen.

Bei Außenaufnahmen von Häusern entsteht schnell ein 2D-Effekt, nämlich dann, wenn der Fotograf ein Gebäude frontal ablichtet. Kippt er zudem die Kamera, verzerrt sich die Perspektive noch zusätzlich. Einen 3D-Effekt erreiche ich, indem ich das Gebäude eher von der Seite fotografiere und dadurch die Längsfassade sichtbar ist. Aber. Bei höheren Häusern sollte man die Froschperspektive vermeiden – die Ränder laufen nach oben hin optischen zusammen. Stattdessen kann man es auch vom zweiten oder dritten Stock eines gegenüberliegenden Gebäudes aus fotografieren. Ist es nicht für die Öffentlichkeit zugänglich, muss man vorher natürlich um Erlaubnis fragen.

Fototipp 5: Immobilie ins rechte Licht rücken

Fototipp, Immobilienfoto, Foto: Severine Sand/Immowelt AG
Bei Gegenlicht erscheinen Fotos meist zu dunkel. Foto: Severine Sand/Immowelt AG
Fototipp, Immobilienfoto, Foto: Severine Sand/Immowelt AG
Bei praller Sonne sind Bilder schnell überbelichtet. Foto: Severine Sand/Immowelt AG

Die beste Zeit zum Fotografieren ist tagsüber, wenn es draußen hell ist. Ideal für Innenräume ist Schatten. Scheint die pralle Sonne durchs Fenster, wird das Bild überbelichtet. Hier kann ich mit einer Jalousie Abhilfe schaffen oder es zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal versuchen. Außenaufnahmen wiederum sind bei Gegenlicht zu dunkel oder es können auch Lichtreflexionen entstehen. Mit einer Profikamera kann ich über die Blende und die Verschlusszeit die Lichtmenge regulieren und zudem den passenden Belichtungswert einstellen. Beim Smartphone kann ich durch Antippen die Belichtung auf das jeweilige Motiv fokussieren – der ausgewählte Bildbereich wird dann heller und schärfer.

Dennoch können sich die Lichtverhältnisse als ungünstig erweisen, etwa weil der Himmel stark bewölkt ist oder weil ein Raum kein Fenster hat. Auf keinen Fall würde ich mit zusätzlicher Beleuchtung für mehr Helligkeit sorgen. Es droht Überbelichtung, es bilden sich Schlagschatten und durch die unterschiedlichen Lichtquellen entstehen oft verschiedene Farbtöne der Lichter. Lieber mache ich ein zu dunkles Bild und helle es hinterher auf. 

Fototipp 6: Nachbearbeiten ist erlaubt

Fototipp, Immobilienfoto, Foto: Tom Schrade
Sind die Lichtverhältnisse nicht optimal, kann man nachträglich nachhelfen. Foto: Tom Schrade
Fototipp, Immobilienfoto, Foto: Tom Schrade
Mit Bildbearbeitungsprogrammen lassen sich Fotos aufhellen, ohne das Motiv zu verfälschen. Dadurch eine freundlichere Atmosphäre. Foto: Tom Schrade

Sind Bilder zu dunkel oder zu hell, kann man nachträglich noch einiges retten. Nachbearbeitung ist völlig in Ordnung, solange man die Fotos nicht verfälscht. Über Helligkeit, Beleuchtung und Kontrast sowie die Farbeinstellung kann man Bilder optimieren. Gerade durch mehr Helligkeit und wärmere Farben wirken die Fotos gleich viel freundlicher. Zudem lässt sich der passende Bildausschnitt zuschneiden, um ein gutes und harmonisches Bildverhältnis zu erzielen.

Info

Für die Exposés auf immowelt.at eignen sich Fotos im Querformat am besten. Denn so lässt sich der Raum besser einfangen. Für große Räume empfiehlt sich das Format 16:9, der Klassiker ist 4:3.

Hierbei eignen sich klassische Programme wie Photoshop Elements oder kostenlose Alternativen wie GIMP und Paint.net. Für das Smartphone gibt es inzwischen gute und kostenlose Apps für die Bildbearbeitung, zum Beispiel PicsArt Photo Studio, Snapseed oder Photoshop Express. Einige Smartphones haben bereits ein Bearbeitungsprogramm vorinstalliert, dort lassen sich in den Einstellungen verschiedene Faktoren wie Weißabgleich oder Belichtungswert anpassen. In der Regel stehen die Voreinstellungen auf Automatik, dabei würde ich sie auch belassen. 

Extra-Tipp vom Profi: Welche Kamera?

Fototipp, Immobilienfoto, Foto: Tom Schrade
Gute Bilder von Immobilien gelingen auch mit dem Smartphone. Für teure Projekte lohnt sich eine Profikamera. Foto: Tom Schrade

Gute Bilder sind sowohl mit dem Smartphone als auch mit einer Profikamera möglich. Wer sich gerne mit letzterem ausprobieren möchte, muss sich nicht zwangsläufig eine teure Spiegelreflexkamera anschaffen. Ich empfehle stattdessen eine Systemkamera. Das ist eine Art Digicam mit abnehmbarem Objektiv und ähnlichen Funktionen wie bei einer Spiegelreflexkamera, nur viel preiswerter.

Generell gilt: Je teurer ein Projekt beziehungsweise eine Immobilie ist, desto eher würde ich eine professionelle Kamera vorziehen, wenn nicht sogar einen Fotografen beauftragen, der auf Architektur spezialisiert ist. Egal, für welche Kamera man sich entscheidet – sofern man alle Tipps beachtet, kann nichts schief gehen. Das Wichtigste ist: etwas Zeit einplanen, Testfotos schießen, anschauen, eventuelle Störfaktoren beseitigen und nochmals Bilder aufnehmen. So lässt sich der gewünschte Effekt bei der Immobilienanzeige erzielen.


Ihre Meinung zählt

(1)
5 von 5 Sternen
5 Sterne
 
1
4 Sterne
 
0
3 Sterne
 
0
2 Sterne
 
0
1 Stern
 
0
Ihre Bewertung:

Neuen Kommentar schreiben