Grillen auf dem Balkon: Ärger vermeiden, Würstchen genießen

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Im Sommer freuen sich viele Mieter, ihren Balkon ausgiebig nutzen zu können – auch zum Grillen. Doch nicht immer ist der Vermieter mit einer Grillparty einverstanden. Und auch Nachbarn wollen noch ein Wörtchen mitreden, wenn Rauch, Qualm und Grillgeruch in ihre Wohnung dringt. Was in der Mietwohnung erlaubt ist und worauf Mieter beim Grillen auf Balkon und Terrasse achten sollten.

Wenn es draußen wieder warm wird, steigt die Lust auf einen gemütlichen Grillabend. Doch wo sollen Mieter angrillen, wenn sie keinen Garten zur Verfügung haben. Viele stellen den Grill einfach auf ihren Balkon – das ist jedoch nicht immer gern gesehen und kann zum Streit mit dem Vermieter oder den Nachbarn führen. 

Grillen auf dem Balkon, Familie beim Essen auf dem Balkon, Foto: stefanfister/fotolia.com
Grillen auf dem Balkon ist ein Spaß für die ganze Familie – zumindest wenn der Vermieter und die Nachbarn mitspielen. Foto: stefanfister/fotolia.com

Grillen auf dem Balkon ist nicht immer erlaubt

Es gibt zwar kein Gesetz, dass Mietern das Grillen auf dem Balkon grundsätzlich verbietet – aber auch kein Grundrecht auf Grillen. Das führt dazu, dass Vermieter das Grillen auf dem Balkon im Mietvertrag verbieten oder einschränken können – beispielsweise indem sie festlegen, dass kein Holzkohlegrill verwendet werden darf. Wer sich daran als Mieter nicht hält, riskiert eine Abmahnung und, wenn er sich über das Grillverbot weiterhin hinwegsetzt, sogar die Kündigung. Wer ein solches Grillverbot im Mietvertrag stehen hat, sollte sich also auch tunlichst daran halten. Das Gleiche gilt übrigens für das Grillen auf einer angemieteten Terrasse oder einem mitgemieteten Garten.

Steak, Grillen auf dem Balkon, Foto: Krawczyk-Foto/fotolia.com
Essen vom Grill ist eine schöne Sache – wer auf dem Balkon grillt, sollte allerdings auf seine Nachbarn Rücksicht nehmen. Foto: Krawczyk-Foto/fotolia.com

Wann und wie oft gegrillt werden darf

Durch das Internet geistern immer wieder auch vermeintliche Regeln, die besagen, wie oft ein Mieter im Jahr grillen darf. Dabei handelt es sich jedoch immer um Einzelfallentscheidungen, die Gerichte getroffen haben – entsprechende Gesetze gibt es nicht. Daher lässt sich auch nicht allgemeingültig sagen, wie oft und wann ein Mieter auf seinem Balkon grillen darf.

Auf Nachbarn Rücksicht nehmen

Neben etwaigen Regelungen im Mietvertrag gilt das Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme. Selbst, wenn das Grillen auf dem Balkon nicht im Mietvertrag verboten ist, müssen Mieter darauf achten, ihre Nachbarn so wenig wie möglich zu stören. Dringt etwa über ein offenes Fenster tagtäglich der Duft der Käsekrainer in die Wohnung des Nachbarn, fühlen sich diese zu Recht gestört. Wer seine Nachbarn einräuchert, verstößt unter Umständen sogar gegen das Immissionsschutzgesetz und muss eventuell mit einer Geldbuße rechnen – die Belästigung durch den Qualm müsste in diesem Fall aber schon extrem sein.

Gleichzeitig sind übrigens auch die Nachbarn in der Pflicht: Ist das Grillen auf dem Balkon grundsätzlich erlaubt, müssen sie gelegentlichen Grillgeruch hinnehmen. Im Endeffekt gilt: Ob es erlaubt ist, auf dem Balkon zu grillen oder nicht, kommt auf den Einzelfall an. Wenn sich der Nachbar nicht an Grillgeruch und gelegentlichem Rauch stört, darf auch weiterhin auf dem Balkon gegrillt werden.

Unabhängig davon, ob der Grill nun stark qualmt oder nicht, müssen Mieter natürlich die gesetzliche Nachtruhe einhalten. Diese kann im Prinzip von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich geregelt sein, dauert aber im Allgemeinen von 22 Uhr abends bis 6 Uhr morgens. In dieser Zeit sollten sich Partygesellschaften auf dem Balkon nur noch im Flüsterton unterhalten.

Tipps für stressfreies Grillen auf dem Balkon

Grafik: immowelt.at

Der größte Störfaktor beim Grillen auf dem Balkon ist ohne Zweifel der Qualm. Ein paar Tipps helfen jedoch dabei, diesen gar nicht erst entstehen zu lassen und trotzdem leckeres Fleisch und Gemüse frisch vom Rost genießen zu können.

Elektrogrill verwenden
Für die stärkste Rauchentwicklung sorgt zweifellos der Holzkohlegrill. Alternativen sind der Gas- oder noch besser, der Elektrogrill. Durch die Wahl des richtigen Grills lässt sich der Qualm schon so deutlich einschränken.

Mit der Gabel nicht ins Fleisch stechen, sondern eine Zange verwenden
Wenn Fett oder Fleischsaft vom Fleisch auf die Glut tropft, bedeutet das nicht nur mehr Qualm, sondern ist auch gesundheitsschädlich. Dabei entsteht nämlich Benzypren – eine der Hauptursachen für Magenkrebs. Um das Grillgut zu wenden, sollte daher immer eine Grillzange verwendet werden, keinesfalls eine Gabel. So bleibt Fleisch übrigens auch schön saftig.

Mariniertes Fleisch vor dem Grillen abtupfen
Viele Marinaden basieren auf Öl, das in die Glut tropfen kann. Wer das Fleisch abtupft, bevor es auf den Grill wandert, kann das Risiko zumindest minimieren.

Aluschalen verwenden
Die sicherste Methode, um zu verhindern, dass etwas vom Fleisch in die Glut tropft, ist es, Aluschalen zu verwenden. In diesen sammelt sich Fett, Fleischsaft und ablaufende Marinade. Die Flüssigkeit kann dann im Nachhinein problemlos abgegossen werden. Wer sie nicht wegschütten möchte, kann sie auch als Würze verwenden - beispielsweise für einen herzhaften Kartoffelsalat, die ideale Beilage für jede Grillparty.

Grill nach der Benutzung ordentlich reinigen
Egal wie sauber ein Grillmeister arbeitet: ein paar Verunreinigungen landen immer auf dem Rost. Verbrennen Fett und Essensreste, ensteht Rauch. Gröberer Schmutz lässt sich mit einem Stahlschwamm oder einer Bürste entfernen, feine Verunreinigungen mit einem Schwamm und etwas Spülmittel. Letzteres sollte aber natürlich nicht in den Grill tropfen. Also: Rost vor der Reinigung entfernen und danach wieder einsetzen.

Auf gute Luftzufuhr achten
Glut ist nichts anderes als eine Verbrennung ohne sichtbare Flamme. Eine solche Verbrennung braucht immer ausreichend Sauerstoff. An den Grill sollte also immer genug Luft kommen - dann qualmt der Grill weniger und der vorhandene Rauch kann gleichmäßig nach oben abziehen.

Info

Wenn es doch unbedingt ein Holzkohlegrill sein muss

Manche Grillfreunde wollen auf ihren Holzkohlegrill einfach nicht verzichten. Zwar entsteht hier generell mehr Rauch, – durch ein paar Maßnahmen lässt sich jedoch auch dieser reduzieren. So empfiehlt es sich, keine Brandbeschleuniger oder chemische Grillanzünder zu verwenden und darauf zu achten, dass Kohle und Grillanzünder immer trocken sind. Ebenfalls empfehlenswert: langsames Grillen bei niedriger Temperatur und indirekter Hitze: Kohle auf die eine Seite des Grills, Fleisch auf die andere.

Grillen erlaubt, aber Balkon zu klein – Alternativen

Wer einen kleinen Balkon hat, auf den nur schwer ein großer Grill passt, für den gibt es Alternativen:

Der Plancha-Grill

Das Grillprinzip Plancha kommt aus Spanien. Es unterscheidet sich vom herkömmlichen Grillen dadurch, dass nicht auf einem Rost, sondern auf einer ebenen Fläche gegrillt wird. Zudem arbeitet ein Plancha-Grill mit sehr hohen Temperaturen von 300 bis 350 Grad. Durch dieses spezielle Verfahren erlaubt das Plancha-Grillen auch etwas, das beim herkömmlichen Grillen nicht ratsam ist: das Übergießen des Grillguts mit Flüssigkeiten, Soßen und Marinaden. Kleine Plancha-Grills können einfach auf einen Tisch gestellt werden.

Grillen auf dem Balkon, Plancha Grill, Foto: BUKH Bremen GmbH/plancha-mania.de
Plancha-Grills arbeiten nicht mit einem Rost, sondern mit einer ebenen Fläche. Foto: BUKH Bremen GmbH/plancha-mania.de
Grillen auf dem Balkon, Plancha-Grill, Foto: Verycook
Planchagrills werden auch als Kombigeräte mit Kohlegrill-Elementen angeboten. Foto: Verycook

Mini-, Eimer- oder To-Go-Grill

Es gibt aber inzwischen auch herkömmliche Grills in kleineren Varianten. Sogenannte Mini-, Eimer- oder To-Go-Grills haben nur noch etwa die Größe einer Suppenschüssel und lassen sich problemlos auch auf einem kleinen Tisch platzieren. Es gibt sie sowohl als Gas- und Strom- als auch als Elektrogrill.

Balkongrill, Grillen auf dem Balkon, Foto: Landmann
Dieser Balkongrill wird wie ein Blumenkasten am Geländer befestigt. Foto: Landmann
Eimergrill, Grillen auf dem Balkon, Foto: Eva Solo
Kompakte Grills wie diese eignen sich auch für kleine Balkons. Foto: Eva Solo

Der Kontaktgrill

Eine besonders simple Alternative ist der Kontaktgrill. Bei diesem werden zwei Platten elektrisch beheizt, zwischen denen das Grillgut dann eingeklemmt wird. Zugegeben ist das Ergebnis dabei nicht ganz das von einem offenen Grill – aber es kommt doch nah heran und das Gerät kann ohne allzu große Rauchentwicklung sogar in Innenräumen einfach an die Steckdose angeschlossen werden.

Kontaktgrill, Grillen auf dem Balkon, Foto: Bosch
Ein Kontaktgrill kann ohne Weiteres auch drinnen verwendet werden. Foto: Bosch
Kontaktgrill, Grillen auf dem Balkon, Foto: Tefal
Dieser Kontaktgrill misst über eine Sensorik die Dicke des Garguts und passt dementsprechend den Garzyklus an. Foto: Tefal

Sicherheit geht vor: Tipps für gefahrloses Grillen auf dem Balkon

Grillen auf dem Balkon ist gefährlicher als Grillen im Freien. Wer nicht aufpasst, kann durch herumfliegende Funken schnell seine Balkondekoration in Brand setzen. Diese Sicherheitstipps helfen dabei, das Grillen auf dem Balkon möglichst ungefährlich zu gestalten:

Am sichersten ist ein Elektrogrill
Ein Elektrogrill führt nicht nur dazu, dass weniger Rauch entsteht, er ist auch am Sichersten. Die Hitze kann jederzeit reguliert werden, der Funkenflug ist minimal und eine Gasflasche braucht es auch nicht.

Auf sicheren Stand achten
Damit der Grill nicht umfällt, sollte er vor allem sicher stehen. Wacklige Konstruktionen und kleine Holzkohlegrills auf leeren Bierkästen sind tabu.

Keine Einweggrills verwenden
Besonders viel Funkenflug entsteht bei Einweggrills. Das liegt daran, dass der Grillanzünder hier in Form eines chemisch behandelten Stück Papiers gleich mitgeliefert wird, das über den Kohlen liegt. Verbrennt dieses, können einzelne Fetzen vom Wind leicht davongetragen werden.

Für Notfälle vorsorgen
Idealerweise steht neben dem Grill auf dem Balkon ein Feuerlöscher. Ist dieser nicht vorhanden, kann im Notfall auch eine Gießkanne helfen. Aber Vorsicht: Diese hilft nicht, falls Fett brennt. Wasser würde in diesem Fall alles nur noch schlimmer machen – das Feuer muss erstickt werden. Ist kein Feuerlöscher vorhanden, kann dafür Blumenerde verwendet werden, die auf vielen Balkonen ja praktischerweise ohnehin vorhanden ist.

Balkondekoration entfernen
Girlanden, Windräder, Wimpel und Strohblumen – typische Balkondekoration, die leider auch hervorragend als Brandbeschleuniger taugt. Bevor es ans Grillen geht, sollte sie also am besten entfernt werden. Ansonsten kann sie beim ersten Funkenflug Feuer fangen.

Kinder vom Grill fernhalten
Grillfeste sind Familienfeste. In der Nähe des Grills auf dem Balkon sollten sich Kinder aber trotzdem nicht unbedingt aufhalten. Zu leicht könnten sie den Grill umstoßen und sich dabei verletzen. Von der darüber hinausgehenden Brandgefahr ganz zu schweigen.

Vor dem Grillen mit den Nachbarn sprechen

Grillen auf dem Balkon, Nachbarn, Foto: JackF/fotolia.com
Wer die Nachbarn vorher über die bevorstehende Grillparty informiert, vermeidet späteren Streit. Foto: JackF/fotolia.com

Bei allen Vorsichtsmaßnahmen, die Grillfans treffen können, lässt sich viel Streit mit den Nachbarn und mit dem Vermieter schon vorab durch ein Gespräch und eventuell eine Einladung zur Grillparty vermeiden.

Darüber hinaus gelten die üblichen Gebote der Rücksichtnahme: Nach zehn Uhr sollte es tunlichst nicht zu laut werden und der Rauch sollte verzogen sein – insbesondere, weil viele Menschen gerade im Sommer gern bei offenem Fenster schlafen. Natürlich empfiehlt es sich auch, eine Grillfeier möglichst am Wochenende und nicht unter der Woche abzuhalten.

Wer gar keine Möglichkeit hat, bei sich zuhause zu grillen, kann sich informieren, ob es bei ihm in der Nähe eine Grillwiese oder Parkanlagen mit Grillzonen gibt. Informationen dazu finden sich meist auf den Internetseiten der Kommunen.

23.03.2017


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