Mieterselbstauskunft: Wann Mieter lügen dürfen

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Vermieter können von Mietinteressenten eine Mieterselbstauskunft verlangen – dürfen dabei aber nicht alles fragen. Mieter müssen nichts Persönliches offenbaren, sondern nur Informationen preisgeben, die ihre Zuverlässigkeit belegen. Die Bonität des Mietinteressenten kann außerdem mit der Selbstauskunft einer Wirtschaftsauskunftei abgeklärt werden.

Mieterselbstauskunft, Foto: istock.com/mediaphotos
Die Selbstauskunft eines Mietinteressenten ist für Vermieter essentiell. Sie gibt Auskunft über die Bonität des Geschäftspartners. Foto: istock.com/mediaphotos

Dass Vermieter eine Selbstauskunft von Mietinteressenten verlangen, ist legitim – schließlich wollen sie sicher gehen, dass der künftige Mieter die Wohnung auch ordentlich behandelt und pünktlich seine Miete zahlt.
Mieter sind aber nicht verpflichtet, eine Selbstauskunft auszufüllen. Gibt es mehrere Interessenten für eine Wohnung, wird sich der Vermieter allerdings im Zweifelsfall für denjenigen entscheiden, dessen Bonität er besser abschätzen kann. In der Praxis sind Wohnungssuchende daher fast immer bereit, eine Selbstauskunft auszufüllen.

Inhalte einer Selbstauskunft

Dabei sind aber nicht alle Fragen an den Interessenten zulässig. Grundsätzlich erlaubt sind bei der Wohnungsbesichtigung nur solche Fragen, die für den Vermieter im Hinblick auf den Abschluss des Mietvertrags relevant sind. Ein Vermieter hat beispielsweise ein berechtigtes Interesse an etwaigen Mitbewohnern sowie natürlich am Namen und der bisherigen Anschrift. Auch Fragen nach Arbeitsverhältnis, Beruf und Nettoeinkommen sind grundsätzlich zulässig. Allerdings: Auf sie muss der Mieter nicht zwingend antworten. „Lediglich bei geförderten Wohnungen besteht eine solche Verpflichtung, da diese Wohnungen ja nur für Menschen errichtet werden, die über ein geringes Einkommen verfügen“, erklärt Barbara Walzl-Sirk vom Mieterschutzverband Österreichs.

Mieterselbstauskunft, Foto: PhotographyByMK/fotolia.com
Ein Vermieter darf mit einer Mieterselbstauskunft nicht jede beliebige Information abfragen. Foto: PhotographyByMK/fotolia.com

Bewirbt sich ein Mieter für eine nicht-geförderte Wohnung, kann er die Frage zur Einkommenshöhe freiwillig beantworten. Grundsätzlich gilt aber: „Wenn man Auskünfte zu seinem Einkommen gibt, muss man diese auch wahrheitsgemäß beantworten“, erklärt Nadja Shah, Bundesgeschäftsführerin der Mietervereinigung Österreichs. „Fakt ist aber auch, dass wenn man solche Fragen nicht beantwortet, man in der Regel die Wohnung nicht bekommt“, so Shah weiter. Die Mietervereinigung rät daher auf ihrer Webseite dazu, Fragen nach dem Einkommen wahrheitsgemäß zu beantworten. Auch falls der Makler oder Vermieter nach etwaigen Vorstrafen fragt, müsse der Wohnungssuchende die Wahrheit sagen, so Shah.

Diese Fragen dürfen Vermieter generell stellen:

  • Fragen nach den Namen aller Interessenten, die den Mietvertrag abschließen wollen, deren Familienstand sowie die Anzahl der Personen, die einziehen wollen. Letztere Info benötigt der Vermieter, um die Nebenkosten korrekt abzurechnen.
  • Fragen nach dem Namen des Arbeitgebers und dem monatlichen Einkommen des Interessenten. Diese Informationen helfen dem Vermieter, abzuschätzen, ob der Interessent überhaupt wirtschaftlich in der Lage wäre, seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen.
  • Fragen, ob der Interessent Sozialleistungen bezieht. Auch diese Informationen sind für die Abklärung der Bonität des Bewerbers relevant.
  • Fragen, ob der Interessent in der Vergangenheit eine eidesstattliche Erklärung abgeben musste, ob es zu einer Räumungsklage oder einer Zwangsvollstreckung kam oder ob ein Insolvenzverfahren gegen den Bewerber läuft.
  • Fragen, ob eine über die normale Nutzung eines Arbeitszimmers hinausgehende gewerbliche Nutzung der Wohnung beabsichtigt ist. Grund: Eine gewerbliche Nutzung kann je nach Ausprägung das Wohnumfeld verschlechtern oder zu einer höheren Abnutzung der Wohnung führen. Eine überwiegend gewerbliche Nutzung einer Mietwohnung wäre sogar ein Kündigungsgrund.

Das dürfen Vermieter in der Selbstauskunft nicht fragen:

  • Fragen nach den politischen Vorlieben oder nach einer Parteienzugehörigkeit.
  • Fragen nach den weltanschaulichen oder religiösen Ansichten des Bewerbers.
  • Fragen nach der ethischen Zugehörigkeit des Mietinteressenten.
  • Fragen nach der sexuellen Orientierung, zu Hobbys oder dem Musikgeschmack.
  • Fragen nach dem Gesundheitszustand.
  • Fragen nach der Lebensweise – also beispielsweise danach, ob der Mieter künftig häufig Besuch empfangen möchte.

Welche Folgen es hat, wenn der Mieter falsche Angaben macht

Lüge, Mieterselbstauskunft, Foto: sasinparaksa/fotolia.com
Lügt ein Mietinteressent, riskiert er damit die Kündigung des Mietvertrags. Foto: sasinparaksa/fotolia.com

Lügt ein Mietinteressent bei Fragen, die er wahrheitsgemäß beantworten muss, darf der Vermieter Konsequenzen ziehen – im Einzelfall bis hin zur fristlosen Kündigung oder der Anfechtung des Mietvertrags. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn der Mieter in der Selbstauskunft bewusst eine viel bessere als die tatsächliche finanzielle Situation vortäuscht.

Bei den Fragen, die der Mieter nicht beantworten muss, muss dieser sich nicht an die Wahrheit halten. Ein Mietinteressent darf also nicht nur verheimlichen, dass er Industrial-Musik mag und sich alsbald einen Irokesenschnitt zulegen möchte, er darf bei diesen Fragen auch lügen wie gedruckt und behaupten, er sei Helene-Fischer-Fan.

Auf Nummer Sicher: Selbstauskunft einer Wirtschaftsauskunftei

Wirtschaftsauskunfteien wie beispielsweise der Kreditschutzverband von 1870 oder der Alpenländischer Kreditorenverband archivieren zahlreiche Verbraucherdaten über deren Bonität. Dabei arbeiten sie mit Handelsunternehmen und Banken zusammen. Wenn ein Verbraucher beispielsweise seinen Verpflichtungen nicht nachkommt und fällige Darlehensraten oder Mobilfunkrechnungen nicht zahlt, dokumentieren sie dies. Anhand der Daten berechnen sie einen sogenannten Score. Dieser gibt Auskunft darüber, ob ein Verbraucher eine gute oder schlechte Bonität hat.

Vermieter können sich die Datensammlung zunutze machen und Mietinteressenten um eine Selbstauskunft für Vermieter bitten. Diese fordert der Mieter bei der Auskunftei an und legt sie seinem potenziellen Vermieter vor.

Mietschuldenfreiheitsbescheinigung vom Vorvermieter

Mieterselbstauskunft, Mietschuldenfreiheitsbescheinigung, Foto: iStock.com/Portra
Eine Mietschuldenfreiheitsbescheinigung hilft Vermietern, die Bonität von Mietinteressenten besser einzuschätzen. Foto: iStock.com/Portra

Eine weitere Möglichkeit, die Bonität eines potenziellen Mieters abzuklären, ist es, diesen um eine Mietschuldenfreiheitsbescheinigung seines bisherigen Vermieters zu bitten. Dabei gilt es allerdings zu beachten, dass der Vorvermieter keine Pflicht hat, eine solche Bescheinigung auszustellen. Deshalb ist es kein zuverlässiges Indiz für eine schlechte Bonität, wenn der Interessent eine solche Bescheinigung nicht vorlegen kann. Legt er sie allerdings vor, weiß der Vermieter, dass sein neuer Mieter zumindest bisher seinen Verpflichtungen nachkam.

Mit sachlichen Fragen sind Vermieter auf der sicheren Seite

Vermieter können sich von Mietinteressenten eine Selbstauskunft, das Scoring einer Wirtschaftsauskunftei oder eine Mietschuldenfreiheitsbescheinigung vorlegen lassen, um sicher zu gehen, dass der neue Mieter über eine ausreichende Bonität verfügt. Weil immer wieder unzuverlässige Mieter oder gar Mietnomaden erheblichen Kosten verursachen, ist dies auch dringend zu empfehlen. Bei allzu persönlichen Fragen dürfen Mietinteressenten allerdings jederzeit zur Lüge greifen.

16.03.2017


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